Als mein Vater ein Busch wurde und ich meinen Namen verlor

Theater Waidspeicher

Ein Bühnenraum, der von drei Seiten Zugang zu dem Spiel gibt. Ein schwarzer Fußboden, auf dem eine Frau scheinbar selbstvergessen mit Kreide zeichnet, während das Publikum noch Platz nimmt. Man sieht schon ein Haus mit einem großen Schaufenster in dem Kuchen und Torten ausgestellt sind.

Dann sind die Kinder aufgefordert, ihren Teil zu diesem Bild beizutragen: einen Garten, Wolken, Vögel am Himmel, während Kathrin Blüchert die Familie zeichnet, um die es gehen wird: Toda, ihren Vater den Zuckerbäcker, und ihre Mutter die fortgehen wird. Alles verschwindet, wird weggewischt, als Toda auf die Flucht geschickt wird, die ein Ziel hat – die Mutter, die im friedlichen Ausland lebt.

Der Vater ist gezwungen, an diesem Krieg, den die einen gegen die anderen führen, teilzunehmen. Immerhin weiß er, wie man sich als Busch tarnt. Und Karin Blüchert als Todas Großmutter findet tröstende und stärkende, ermutigende, dringende Worte für Toda: Geh, wenn Du überleben willst! Deine glückliche Welt der Vergangenheit existiert nicht mehr.

Als Toda mit der Flüchtlingsgruppe an einem Übernachtungsort eintrifft, werden wieder die Kinder in das Spiel einbezogen. War ihnen vorher durch das Wegwischen ihrer Zeichnungen der Verlust der alten Welt Todas demonstriert worden, so konnten sich einige nun in aufgezeichnete Vierecke setzen, die Betten symbolisierten. Es war von kratzigen, dünnen Decken die Rede. Es gab den „Befehl“: Seid dankbar, für das was ihr hier bekommt! Welches Kind, das das Glück hatte, in einer friedlichen Welt aufzuwachsen, sah sich je mit solchen Zwängen konfrontiert. Das ging schon unter die Haut.

Toda macht auf der Flucht ihre eigenen guten und weniger guten Erfahrungen und kommt am Ende bei ihrer Mutter an.

Die Nachbesprechung zeigte, dass die Autorin Joke van Leeuwen ihr Ziel erreichte: durch die Erzählung bei den Kindern Empathie zu wecken, sich in die Rolle der Flüchtenden zu versetzen, die Fremdheit und Gefahren nachzuvollziehen, die in einer Flucht liegen. Weil es ausschließlich eine Kunstsprache gibt, wurde das Geschehen von jedem Kind anderen Zeiten und Ländern zugeordnet. Da die Erzählung ein gutes Ende nahm, konnten die Kinder aus dieser Vorstellung angstfrei Gedankenanstöße mitnehmen.

Eine sinnvolle, kindgerechte und gelungene theatralische Umsetzung eines lesenswerten Kinderbuches!