Dieser Tag ein Leben – Ein Abend über Astrid Lindgren

Theater Laboratorium, Oldenburg

Das Theater Laboratorium – ohne Pavel Möller-Lück auf der Bühne. Er hatte sich diesmal auf die Regie beschränkt. Natürlich guckt man hier genauer hin: fehlt er im Spiel? Vermisst man seine Kraft und Präsenz?
Worauf man sich immer verlassen kann, ist die absolute Professionalität der Inszenierung, die dieses Mal so weit geht, dass am Schluss ein Abspann, wie zu einem großen Kinofilm abgespult wird und die tragende Klaviermusik der letzten Szene noch lange weiter läuft, wenn ein Großteil der Zuschauer den Saal schon lange verlassen hat. Ja, auf Stimmungen versteht er sich, der Abend ist gefühlvoll, unterhaltsam und gezielt auf’s Gemüt gerichtet, fast ein wenig zu viel des Guten. So auch in den Sprech- und Dialogszenen der beiden Schauspielerinnen Barbara Schmitz-Lenders und Anja Hursie. Diese hätten durchaus reduziert und durch Spielszenen ersetzt werden können.
Interviews, Reden von Astrid Lindgren, eingespielte Filmschnipsel und wiederkehrende Auszüge aus ihren Büchern beleuchten ihr Leben. Das Timing sitzt hier genau, die Musik ist stimmig und hält kurz vor der Kitschgrenze inne.
Beim Laboratorium muss man immer damit rechnen, relativ wenig Puppen bespielt zu sehen. Doch die Veranstaltung heißt immer noch Figurentheater und wenn diversen Figuren der Astrid Lindgren, gebaut von Mechthild Nienaber, auf der Bühne erscheinen, dann weiß man, wer der Star ist, dann eröffnet sich großes Figurenschauspiel.
Das Stück ist eine einzige Hommage an Astrid Lindgren und die Hälfte des abschließenden Beifalls richtet sich, unbewusst, an ihre Person, ihr Werk, ihre humanistische Einstellung und ihr soziales Engagement und Wirken.
Das ist wohl das größte Kompliment für das Laboratorium, hat es doch Astrid Lindgren eindrucksvoll dargestellt und ihrer Persönlichkeit einen würdigen Abend gewidmet.

Torsten Zajwart