„Strings“ und „The making of . . .“

Bernd Ogrodnik, Filmklub, Kinocenter Husum

Eine besondere Veranstaltung, ein besonderer Film, ein besonderes Erlebnis.

Erstmalig gab es bei diesem Festival eine Kooperation mit dem Filmklub Husum, der sein reguläres Programm auf cineastische Sehenswürdigkeiten mit engagierten und künstlerisch ambitionierten Filmen ausgerichtet hat. Gezeigt wurde „Strings“ im schönsten Saal des Filmcenters Husum auf großer Leinwand und die Vorfreude war riesig.

Der Film beginnt mit einem überraschenden Vorspann. Zu sehen sind die Marionettenspieler, wie sie über dem Schauplatz der Handlung an langen Fäden (engl. = Strings) die Figuren führen und gleichzeitig mit ihnen im Regen stehen.
Dennoch wird man im Laufe der folgenden Eingangsszene sofort gebannt in die dramatische Geschichte gleichsam wie einer der Protagonisten hineingetaucht. Fasziniert von wunderbar gestalteten und gespielten Figuren erlebt man eine spannende, gefühlvolle und tragische Intrige, der ein königlicher Waisensohn ausgesetzt ist.
Trotz der hölzernen Darsteller wirken die Geschichte und ihre Protagonisten erstaunlich lebendig und lebensnah. Sogar die Geburt einer Marionette wird auf sehr kreative und emotionale Weise gezeigt und erlebbar.

Unaufdringlich und gekonnt behandelt der Film die Themen Pazifismus, Fremdheit und die Überwindung des Bösen (in uns und der äußeren Welt), indem er die Verbundenheit allen Lebens und die Kraft der Liebe veranschaulicht.

Das Publikum, das ungefähr zur einen Hälfte aus Kino- und zur anderen Hälfte aus Figurentheaterliebhabern bestand, war begeistert.

Bernd Ogrodnik, der hauptverantwortliche Figurentheaterkünstler, zeigte im Anschluss eine von ihm live kommentierte Bilderschau zum „Making of“ für diesen Film. Eindrucksvoll konnten die Zuschauer die kreativen Prozesse und mannigfaltigen Ideen und deren bemerkenswerte Umsetzung nachvollziehen. Beispielsweise standen die Spieler auf mehreren Etagen übereinander und führten die Marionetten an meterlangen Fäden, was ein hohes Maß an Kunstfertigkeit erforderte. Das, was und wie sie unten spielten, wurde zu ihnen auf Monitore und damals erstmalig auf Bildschirmbrillen übertragen.
Erläuterungen zum Bau, der Mechanik und den Werkstoffen der einzelnen Figuren, der Kulissen und nicht zuletzt zu den Menschen, die dies alles begeistert und teilweise bis an die Grenzen ihrer körperlichen Belastbarkeit gespielt und erschaffen hatten, rundeten das Gesamtbild eines wirklich großen und einzigartigen Kunstprojekts ab.

Ein cineastischer Schatz.