„Pique Dame“


Hermannshoftheater, Wistedt

Russland in der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert: Ein riesiges Land mit scharfen sozialen Gegensätzen. Adlige bemaßen ihren Wohlstand nicht nur nach Landbesitz sondern auch nach der Anzahl der Leibeigenen. Zwei- oder gar dreisprachig zu sein war bei der städtischen Bohème nicht ungewöhnlich. Beim Aufbau von St. Petersburg hatten Deutsche eine große Rolle gespielt, so dass neben dem Französischen das Deutsche sehr präsent war.
Und so ist Puschkins Pique Dame durchaus eine Studie der Verhältnisse der Zeit und  Hermann wahrscheinlich nur einer von vielen Menschen mit deutschen Wurzeln.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde ebenso Geheimnisvolles und Gruseliges zum Sujet in der modernen Literatur. Eine Strömung, die Puschkin mit der Geistererscheinung der Gräfin aufnahm.
Antje König zeigte diese russische Erzählung als Alleinspielerin im Figurentheater. Wie schon bei „Anna Karenina“ (Pole Poppenspäler Tage 2010) gelang es ihr, eine dichte Atmosphäre zu schaffen. Streng gekleidet, unterstützte sie als Erzählerin und Spielerin die Figuren von Christian Werdin, die so ihre volle Wirkung entfalten konnten. Die Vielfalt der literarischen Vorlage wurde ebenso eingefangen wie die (russische) Schwermut mit der sich die Protagonisten in ihr Schicksal zu fügen haben. Eine schöne Inszenierung an der auch Menschen Freude haben können, die sich die russische Literatur noch nicht erschlossen haben.
Als erheiternden Abschlusspunkt durfte es wohl gewertet werden, dass auch ein Publikumsgast als Gewinner aus dem Abendspiel hervorging. Bei der Verbindung von ökologischem Landbau und Theater auf dem Lande, die der Hermannshof pflegt, war ein Sack Kartoffeln ausgelobt.