Take it! (Burgele-Gschicht’n)


Eva Sotriffer & Max Castlunger, Südtirol

Kann es einen weiblichen Kasper geben? Eva Sotriffer, Puppenspielerin aus Südtirol zeigt traditionelles Handpuppenspiel. Im Mittelpunkt der Handlung diesmal nicht der Kasper, sondern ein „Weibsbild“, die Burgele. Diese Figur spielte schon in den frühen Kasperstücken eine wichtige Rolle, bevor Kasperl ihr die Show stahl.

Burgele agiert, sie entscheidet, sie lacht, sie spielt die Hauptrolle!

Das Bühnenbild zeigt eine schmale Bühne – einer Tonne ähnlich – mit weißen Tüchern verhängt und  von unten beleuchtet, bekommt die Bühne einen doppelten Boden.

Auch das Stück ist doppelbödig, vielschichtig: die Stimmung wechselt rasant von witzig bis dramatisch, von freundlich bis traurig.

Situationen, Emotionen werden perfekt von Max Castlunger mit Percussion rhythmisch begleitet.

Der Zuschauer hört, staunt  und schaut dem wechselvollen, hektischen Treiben von Burgele fasziniert  zu.

Mondschein. Heimlich trifft  Burgele ihren Geliebten unter einem Baum, so scheint es mir. Sie wird magisch angezogen, fühlt sich geschmeichelt, ist unsicher und wird  verführt.

Welche ein Liebesspiel! Burgele fehlen die Worte – die Flöte  tönt in kurzen Atemstößen, Trommeln Bongos und Timbales verstärken Aufregung und Gefühlschaos.

Alles treibt auf den dramatischen Höhepunkt zu, als die falsche Schlange sich einmischt.

Die Grenzen verwischen, nichts ist mehr eindeutig. Wer ist Freund, wer ist Feind? Da kann sich Burgele nur noch wehren und zum Schlegel greifen und zuschlagen. Punch und Judy lassen grüßen!
War das jetzt ein Emanzipationsstück? Endlich hat eine weibliche Figur den Kasper von seinem Puppenspielthron gestoßen? Oder war hier einfach nur Entschlusskraft am Werk – unabhängig vom Geschlecht? So gesehen, lässt mich das Stück ratlos zurück.
Versöhnlich und sehenswert war aber auf jeden Fall das perfekte Zusammenspiel von Handpuppenführung und Geräuschkulisse, wie man es bei diesem Duo schon aus anderen Produktionen kennt.