Nix perfekt


Figurentheater Raphael Mürle, Pforzheim

Was nehmen wir als schön wahr? Was als hässlich? Raphael Mürle wendet sich der Frage pragmatisch mit einem Puzzle zu, das an die Bausteine erinnert, die wir aus Krimis kennen, wenn Zeugen ein Phantombild eines anderen Menschen erstellen sollen.  Verschiedene Bausteine formen sich zu immer anderen Gesichtern: fröhliche und missmutige, scheinbar entstellte und vermeintlich perfekte. Ob er die Steine nun locker gesetzt für die abstrahierten Theatermasken von Komödie und Tragödie benutzt oder für ein kompaktes Gesicht, bei dem die Flächen dicht zusammenstehen – es bleibt alles nur eine Frage von Linien und Abständen.
Nach dieser „Fingerübung“ wendet sich der Künstler der Gesamterscheinung einer Persönlichkeit zu. Vor den Augen der Zuschauer entsteht eine Figur. Und auch hier ist der stete Wandel das Zentrum der Darstellung. So wie wir uns alle verändern, gezeichnet werden von der jeweiligen Situation. Wir erleben die Geburt einer Marionette – eines Wesens, das sich nur mit Krücken fortbewegen kann, bis es sich über alles erhebt und in dieser neuen Gestalt so etwas wie Perfektion erreicht.
Und dann? Die Rückkehr zur Maske und die nächste Geschichte einer Verwandlung beginnt.
In dieser konzentriert vorgetragenen Darbietung kann man sicher viel Philosophisches entdecken, aber man kann sich auch einfach nur am Ratespiel der Verwandlung erfreuen, oder über die technischen Details der Verwandlungen nachdenken. Sehenswert ist es aus jeder Perspektive.