The House

Sofie Krog Teater, Dänemark

Laut eigener Aussage hat sich Louis de Funès seine Grimassen bei Donald Duck abgeschaut. Sofie Krog hat sich ein Vorbild an beiden genommen. Unnachahmlich, wenn die Seele der sterbenden Ms. Esperanza in ihren treuen Hund fährt, und dieser einen Veitstanz aufführt, eine Kombination bester Slapstickszenen zu den irrwitzigsten Disney-Zeichnungen. Und damit sind wir schon mittendrin in dieser abstrusen Geschichte. Mrs. Esperanza hat ihr Testament zu Gunsten ihrer beiden Söhne geändert. Also beschlossen ihr Neffe und seine Frau, im gleichen Haus wohnend, sie umzubringen und ein neues Testament zu fälschen. Der Plan gelingt, aber der beseelte Hund führt zwei  erfolglose Einbrecher, die sich zwischenzeitlich als Polizisten, schlussendlich aber als die Söhne der Mrs. Esperanza entpuppen, auf die richtige Spur.
Vier Morde, eine abgeschlagene Hand – hier wird gesplattert! Gesplattert in einem zweistöckigen Hus, vier Räume und die Bühne wird um 180° gedreht, so dass man zeitweise die Innenräume sieht –auch das hauseigene Krematorium. Schrill? Absurd? Haus und Bühne sind liebevoll gebaut und durch facettenreiche Illuminationen in Szene gesetzt: beleuchtete Fenster, Schattenrisse der zum Tode geweihten Frau, Taschenlampen in den Händen der Figuren, die sich gegenseitig in Panik versetzen. Überhaupt die Figuren: Handpuppen mit beweglichen Mündern, nicht einfach gespielt, sondern choreographiert, einander entgegenlaufend, diametral und versetzt, immer im Takt, ohne falsche Bewegung. Eine Führung wie die eines großen Pianisten.
Doch so einfach die Puppen aussehen mögen, sie atmen, man sieht ihnen jede Gefühlsregung an, sie sind meisterlich gehandhabt.
Zeitgenauigkeit, Witz, Tempo und Ästhetik fallen hier zusammen und werde eins. Das reichte schon für sich! Aber die Lautmalereien menschlicher und tierischer Gefühlsanwandlungen, die andere Bühne gerne zu laut und zu Peinlichkeiten geraten, sind perfekt gestaltet. Ein „Oh!“ bleibt ein „Oh!“ und ein Hund bellt wie eine Hund, live und ohne Dissonanzen. Ein Unterschied, der eine Aufführung alleine ausmachen kann. Dazu eine Musik, die sich zwischen Horrorfilm, Mancini und Musical bewegt und einen perfekten Soundtrack zu einer parodierenden Horrorshow liefert.
Das Sofie Krog Teater zählt in Dänemark zur ersten Riege des Figurentheaters –an diesem Abend haben sie bewiesen warum. Spitzentheater der allerhöchsten Güte! Wie lange muss man auf so etwas warten?

Torsten Zajwart