Grußwort der UNIMA

Das deutsche Zentrum der UNIMA (Union Internationale de la Marionnette) grüßt herzlich das Husumer Festival: die Pole Poppenspäler Tage.

1929 gründeten Puppentheaterenthusiasten in Prag die Union Internationale de la Marionnette (UNIMA), um sich international über das Phänomen Puppentheater künstlerisch, wissenschaftlich, pädagogisch und politisch zu verständigen. Seit 90 Jahren nimmt die UNIMA, der älteste internationale Theaterverband der Welt!, alle am Puppen- und Figurentheater Interessierten gern in ihre Reihen auf, vermittelt und fördert Kontakte und verbreitet durch ehrenamtliche Arbeit die Freude an diesem Theatermedium stetig, fundiert und überall. Hier wird über politische und kulturelle Grenzen hinweg diskutiert, gelacht, gebaut, gespielt und nachgedacht!

Die Pole Poppenspäler Tage mit ihrem regionalen und internationalen Programm entsprechen genau diesem Gedanken der dezentralen Vielfalt; darum begleitet die
UNIMA so gern dieses beliebte Festival!

Dieses Jahr liegt den VeranstalterInnen ein besonderes Thema am Herzen: Figurentheater und Live-Musik! Eine großartige, kreative Verbindung – besonders, wenn Figurenspieler selbst Musiker sind oder die Musiker nicht nur hinter Notenständern in ihre Partituren äugen, sondern selber auch mitspielen auf ihre besondere, ‚tänzerische’ Weise. Und manchmal spielt das Instrument auch noch mit.

Das diesjährige Festival wird anspruchsvoll modern eröffnet und beschlossen: Die Figurenspieler und Musiker von I Burattini di Luciano Gottardi treten mit den „Tierkreiszeichen“ von Karlheinz Stockhausen zur Eröffnung auf; die „Songs for Alice“ des Theaters Wilde & Vogel beschließen die 36. Pole Poppenspäler Tage.

Dazwischen aber wird es kapriziös bei „Birds on Strings“ vom Theater Rosenfisch, federleicht heiter bei Kinderspielen wie „Firiwizi Naseweis“ vom Theater Couturier oder augenzwinkernd abenteuerlich wie bei dem Klassiker „Peter und der Wolf“ ebenfalls von I Burattini di L. Gottardi.

Mit Neville Tranter aus den Niederlanden und Sofie Krog aus Dänemark wird es einmal mehr hintergründig und grotesk.

Ein Vormittags-Special für Schüler ist die Inszenierung des Kinderbuchs: „Als mein Vater ein Busch wurde und ich meinen Namen verlor“ von Joke van Leeuwen. Kathrin Blüchert/Theater Waidspeicher hat aus dieser Kriegs- und Flüchtlingsgeschichte ein einfühlsames Solo gemacht. Wer kann, sollte sich dafür Zeit nehmen! Und insbesondere sei dieses Spiel den LehrerInnen und ihren Schülern empfohlen! Dankenswerterweise zieht sich das ernste Inszenierungsthema zu NS-Zeit, Flucht und Vertreibung schon viele Jahre durch das Festivalprogramm und zeigt, wie intensiv-sensibel Figurentheater auch sein kann.

So stehen – wie jedes Jahr in Husum – nationale und internationale Highlights neben gut gearbeiteten Inszenierungen, die das Rückgrat eines jeden Festivals sind. Alle sorgfältig ausgewählten Stücke werden mit demselben hohen Engagement erarbeitet und gespielt!

Die UNIMA wurde dieses Jahr 90, die Pole Poppenspäler Tage 36 und der Verband deutscher Puppentheater (VDP) 51 Jahre alt: drei solide gewachsene Institutionen, die auch schon lange zusammen arbeiten! Dieses Jahr wird Matthias Träger, 1. Vorsitzender des VDP und UNIMA-Mitglied, von seiner künstlerischen und politischen Arbeit als Figurenspieler und Regisseur in Italien und Deutschland bei „Puppenspieler stellen sich vor“ erzählen.

Den traditionellen Deichspaziergang, die Sonderausstellung – diesmal zum fabula-Theater/Idstedt – und all die vielen Gespräche, das Wiedersehen und Kennenlernen gibt es natürlich auch wieder – wie jedes Jahr. Wie schön!

So wünscht die UNIMA den Husumern und all ihren Gästen ein erfolgreiches, nachdenkliches und fröhliches Festival 2019!


Silke Technau
Arbeitskreis Figurentheater und Wissenschaft der UNIMA Deutschland/ Redaktion der Fachzeitschrift „Das andere Theater“